Üben

Gutes, effizientes Üben

macht mehr Spaß

Wichtige Informationen zu üben

Durch regelmäßiges und effizientes Üben macht das Klavierspielen mehr Spaß. Hier gibt es Informationen, wie man das Üben verbessern kann.

Die richtigen Noten eines Stückes einzustudieren, ohne sich über das Spielen selbst Gedanken zu machen, ist Zeitverschwendung und hat mit Musik nichts zu tun.
Marcel Manshanden, Klavierlehrer

 

Was man beachten sollte

Es ist natürlich wichtig, auf einem guten Klavier zu spielen, aber man sollte auch einen höhenverstellbaren Klavierhocker haben. Man sollte gerade und entspannt an seinem Klavier sitzen können.



Wie häufig man üben sollte

Man sollte versuchen, täglich zu spielen, wobei zweimal eine Viertelstunde wiederum besser ist als einmal eine halbe Stunde. Anfänger machen bei 15 bis 30 Minuten Spielzeit täglich gute Fortschritte, fortgeschrittene Klavierspieler spielen 1 Stunde am Tag. Professionelle Pianisten spielen oft mehrere Stunden am Tag.

Ein neues Stück einstudieren

Wenn man mit einem neuen Stück anfängt, sollte man dies langsam angehen lassen, auch wenn es sich um ein schnelles Stück handelt. Wenn für die linke oder rechte Hand eine schwierige Passage vorkommt, kann mit dieser Hand separat geübt werden. Häufig ist das Zusammenspiel mit rechter und linker Hand schwierig, während getrenntes Spielen viel einfacher ist. In diesen Fällen ist es nicht sinnvoll, separat zu spielen, sondern sollte man mit beiden Händen einzelne kurze Stücke, zum Beispiel pro Takt oder Satz, sehr langsam einüben. Nach mehrmaliger Wiederholung kann man dann mit dem nächsten kleinen Stück fortfahren und die einzelnen Passagen abwechseln.

Man sollte auch von Anfang an versuchen, auswendig zu spielen, oder auch mal mit geschlossenen Augen. Man sollte ein neues Stück nicht von Anfang bis Ende spielen, sondern zuerst durchlesen, um die schwierigen leichteren Passagen zu finden. Man sollte dann vor allem die schwierigeren Passagen üben. Wenn der Anfang des Stückes schon besser gespielt wird, sollte man dies nicht andauernd wiederholen, sondern mit den Mittelteil oder dem Ende weitermachen.

Der Klang eines neuen Stücks

Manchmal beginnt man mit einem neuen Stück, weiß aber nicht genau, wie es klingen soll. Man kann immer seinen Klavierlehrer fragen, diese Musik vorzuspielen, oder man versucht, eine Aufnahme zu finden. Je mehr Musik man sich anhört, desto mehr lernt man darüber, und dies gilt sowohl für klassische Musik wie für Pop oder Jazz. Klavierüben ist nicht die Vorbereitung für die Klavierstunde. Während der Klavierstunde kann der Lehrer dem Schüler helfen, das Spielen von Stücke weiterzuentwickeln, sodass man sich verbessert.

Elf Lernregeln

 

01 Beim Klavierspielen ist Konzentration absolut erforderlich. Man sollte nicht aus Pflichtgefühl üben, wenn man sich nicht konzentrieren kann. Wenn man müde und unkonzentriert ist, wird das Üben langweilig und nützt nichts.

02 Man sollte immer an mehreren Stücken gleichzeitig arbeiten und regelmäßig abwechseln. Auch sollte man eine schwierige Passage nicht zu lange üben. 6 Mal 10 Minuten üben führt zu besseren Ergebnissen, als 60 Minuten am Stück zu spielen. Man braucht Zeit, um das Erlernte zu verarbeiten.

03 Wiederholung ist eine der wichtigsten Lernregeln, sollte aber vernünftig geschehen. Es ist nicht bewiesen, das zehnmalige Wiederholungen besser sind als etwas viermal zu wiederholen.

04 Wenn man einen Fehler macht, sollte man zuerst versuchen zu verstehen, warum man diesen Fehler gemacht hat und wie man ihn beheben kann, bevor man fortfährt.

05 Die richtigen Noten eines Stückes einzustudieren, ohne sich über das Spielen selbst Gedanken zu machen, ist Zeitverschwendung und hat mit Musik nichts zu tun.

06 Man braucht Zeit zum Klavierspielen – es geht nicht ohne, denn dies hilft der Ruhe, Konzentration und Genauigkeit. Dabei darf man aber das Tempo eines Musikstücks nicht aus den Augen verlieren, denn auch dies will geübt werden. Ruhiges und nuanciertes Üben bringt mehr als lautes, schnelles Spielen.

07 Man sollte keine Musikstücke üben, die weit über dem persönlichen Niveau liegen.

08 Man sollte beim Üben die Fingerstellung, Bögen, Punkte usw. genau in seinem Notenbuch notieren, da dies beim Lernen hilft. Man sollte auch versuchen, nicht zu sehr an den Notenblättern zu hängen, sondern bereits in einem frühen Stadium erst kleinere, dann größere Passagen auswendig zu spielen.

09 Im Allgemeinen kann man die Musik, die man sich in Gedanken vorstellen kann, auch ohne hängen zu bleiben, spielen. Klavierüben ist ein Denkprozess, keine Bewegungsübung.

10 Man sollte sich mit den Stücken, die man spielt, auseinandersetzen und auch Form und Hintergrund miteinbeziehen. Man kann sich über den Komponisten, den Stil und Aufführungen informieren und sich Aufnahmen anderer Interpreten anhören. Das kleinste Motiv, das man sich beim Üben anzueignen versucht, ist ein wesentlicher und unverzichtbarer Teil des Gesamtwerkes.

11 Wenn man im Moment beim Klavierüben völlig anders vorgeht, als hier beschrieben, sollte man sich Zeit genug nehmen, um diese Regeln auszuprobieren und sich diese Vorgehensweise anzueignen. Üben lernen ist einer der wichtigsten Aspekte des Klavierunterrichts.

 

Vor dem ersten Üben

Viele Schüler haben beim Lernen eine Angewohnheit, die zu viel Enttäuschungen und Misserfolgen führt: wenn etwas nicht so funktioniert, wie gewünscht, beginnen sie immer wieder am Anfang, bis es irgendwann eher zufällig doch gelingt. Dadurch wird bei vielen Stücken der Anfang, der erste Fehler und die Angst vor diesem Fehler einstudiert, und spätere Ängste und Lampenfieber kommen noch hinzu.

Fehler machen

Beim Klavierspielen macht man Fehler, und häufig neigt man dazu, wieder von vorn zu beginnen. Das ist verständlich, aber man sollte erst darüber nachdenken, was falsch gelaufen ist und warum man den Fehler gemacht hat. War dies eine Konzentrationsschwäche oder ist vielleicht nicht klar, was auf dem Notenblatt steht?

Noten lernen

Wenn man nicht versteht, was auf dem Blatt steht, sollte man sich zuerst in aller Ruhe die Noten ansehen und versuchen zu verstehen, was gespielt werden soll. Es hilft, das misslungene Stück langsam und aufmerksam zu spielen. Das Problem löst sich dann oft von selbst. Danach sollte man diese Passage wieder ins Ganze einfügen, das heißt in die ganze Zeile oder den Teil. Man sollte sich auch fest vornehmen, den Fehler nicht zu wiederholen.

Die häufigsten Fehler beim Klavierüben

  • Spielen und üben, während man mit den Gedanken abschweift
  • Ständiges Wiederholen, ohne sich zu fragen warum
  • Ständig Stücke wiederholen, die man bereits beherrscht
  • Ständiges Wiederholen in der Hoffnung, dass es irgendwann von selbst geht

 

Wiederholen

Es ist nicht bewiesen, das zehnmalige Wiederholungen besser sind als etwas viermal zu wiederholen. Ständiges Wiederholen, bis es scheinbar von selbst geht, ist ziemlich eintönig. Außerdem studiert man auf diese Weise auch Fehler und Eigenartigkeiten ein, die man sich dann nur mit großen Schwierigkeiten wieder abgewöhnen kann.

Cleveres Üben

Etwas 5 Mal wiederholen, einige Minuten etwas anderes spielen, und dann zum ursprünglichen Stück zurückzukehren, hat mehr Effekt, als 25 Mal das Gleiche zu spielen. Dreimal pro Tag eine Viertelstunde spielen funktioniert besser, als eine Stunde am Stück zu üben. Dies sind keine übertriebenen Beispiele, sondern erprobte Lernmethoden. Man sollte auch nicht immer nur am Anfang eines Stückes beginnen, sondern abwechselnd in der Mitte oder am Ende. So vermeidet man, dass man von vielen Stücken immer nur den Anfang gut spielen kann, und den Rest weniger gut. Wenn man ein Stück eine Zeit lang hat ruhen lassen, weil man damit nicht mehr weitergekommen ist, kann es passieren, dass viele Probleme und Schwierigkeiten plötzlich einfacher scheinen oder ganz verschwunden sind.